Vorratsdatenspeicherung in Bildern: Wie genau wir verfolgt werden können

Selbst Internetverweigerer können dank der Vorratsdatenspeicherung auf die Minute genau verfolgt werden – auch Jahre später noch. Wie erschreckend präzise der Blick in die Vergangenheit aussieht, zeigen Malte Spitz und Zeit Online in einer eindrucksvollen Visualisierung.

Die Daten, die der Politiker und Buchautor Malte Spitz von der Telekom eingeklagt hatte, reichten über 35.831 Tabellenzeilen. Telefonate, Kurznachrichten, Standorte – „Das war ein halbes Jahr meines Lebens“, resümiert Spitz. Zusammen mit Zeit Online hat er dieses halbe Jahr in eine Grafik gepackt. Sie offenbahrt, wie erschreckend genau wir auch viele Jahre später noch verfolgt werden können.

Die Reisen des Malte S. - für jeden nachvollziehbar. (C) Zeit Online, Screenshot
Klickt auf das Bild, um zu sehen, wie detailliert die Wege von Malte Spitz nachverfolgt werden. © Zeit Online, Screenshot

Playbutton drücken und los geht die Reise durch ein halbes Jahr aus dem Leben von Malte Spitz. Es ist beeindruckend, wie der Punkt über die Karte rauscht und Spitz‘ Wege nachfährt. Der Nutzer kann sich einzelne Tage anzeigen lassen, kann Reiserouten verfolgen und rätseln, was Malte Spitz wohl gemacht hat, wenn sein Handy ausgeschaltet war. „Man sieht ganz genau, wo ich war“, erklärte Spitz gestern auf seinem Vortrag in Mainz. „Die Entwicklung geht immer weiter, das wird immer genauer.“

Zeit Online hat die Geodaten „zusätzlich mit frei im Netz verfügbaren Informationen aus dem Leben des Abgeordneten (Twitter, Blogeinträge und Webseiten) verknüpft“ (Quelle). So erfährt der Nutzer, wie Malte Spitz den Zeitraum zwischen September 2009 und Februar 2010 verbracht hat: Viel Wahlkampfarbeit, eine Fahrt zum Weltklimagipfel und einige Veranstaltungen zum Thema Datenschutz.

Daten werden nicht nur im Internet gespeichert

Gegen die Vorratsdatenspeicherung wurde in den vergangenen Wochen viel gesagt und geschrieben, in Artikeln, Blogs und Büchern. Gestern Abend hat Malte Spitz nicht nur das gerade gezeigte Datenprojekt vorgestellt, sondern auch sein Buch „Was macht ihr mit meinen Daten?“. Er stellte Unternehmen und staatlichen Stellen genau diese Frage und hakt zum Beispiel bei der Polizei, der Telekom und bei Fluggesellschaften nach. Denn es braucht nicht zwingend das Internet, um Datenmengen über Bürger zu sammeln.

Malte Spitz erklärte den Zuhörern unter anderem, dass manche Scoring-Unternehmen mithilfe der Postleitzahl über die Kreditwürdigkeit entschieden. Da bestimme mitunter die Wohngegend, ob ein Mensch seinen gewünschten Handyvertrag abschließen könne. Auch aus Telefonvorwahlen, Apothekenbesuchen und Reisebuchungen ergeben sich Daten, die wiederum anderen Menschen nützen. Bei manchen Daten sei es durchaus sinnvoll, sie zu speichern, so Spitz. Als Beispiel führt er Medikamente an, die ein Patient kauft und die die Krankenkasse durch seinen Einkauf vermerkt. „Was ich nicht okay finde: Dass noch ein Schulunfall von 1996 bei mir gespeichert ist“, ergänzt Spitz.

Die Routen werden berechnet

Wer Auskunft über seine Daten will, muss mitunter hartnäckig nachfragen, so das Fazit von Malte Spitz. Für ihn ist die Debatte um Datenschutz entscheidend für unsere Zukunft: „Das ist eine Debatte, die wir alle führen müssen.“
Das Gefährliche an Datenschutzverletzungen ist, dass sie nicht sofort wehtun. Wenn Daten verkauft werden, passiert das hinter dem Rücken der Datengeber – oft wissen diese gar nicht von der Existenz und Menge der Daten. Telefondaten aus einem halben Lebensjahr füllen zehntausende Tabellenzeilen, wie der Fall von Malte Spitz zeigt. Stellt euch nur mal vor, andere Menschen könnten eure Reisen ebenso detailliert nachverfolgen – mit der Vorratsdatenspeicherung wäre das kein Problem.

Edward Snowden über das Recht auf Privatsphäre. Lest hier mehr dazu. © Netzpolitik.org

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