Mobbing in 140 Zeichen: Kids Read Mean Tweets

Mehr als 2,5 Millionen Aufrufe hat dieses Video, in dem Kinder böse Kommentare gegen sich selbst vorlesen. Manche wahren die Fassung, andere runzeln die Stirn und das Mädchen, das sich selbst umbringen solle, verlässt deprimiert seinen Platz.

Das Canadian Safe School Network hat dieses Video produziert, um auf Cybermobbing aufmerksam zu machen. Die Möglichkeit, Profile unter fremdem Namen anzulegen, macht Mobbing im Netz für viele noch leichter. Dass es die anonymen Profile gar nicht braucht, zeigen Filme wie „Unfriended“ und „cyberbu//y„. In diesem Fall sind es allesamt anonyme und vor allem gefakete Profile, wie ein Blick auf die Accounts aus dem Video zeigt: Keine Profilbilder, keine Tweets, keine realen Personen. Die Profile wurden wahrscheinlich für das Video erstellt und die Fake-Tweets inzwischen wieder gelöscht (bis auf einen, der für das Video als „Ad of the Week“ abstimmte). Wenn es die Tweets jemals gab – einen Text in einem Video zu erstellen, der wie ein Tweet aussieht, ist schließlich keine Hexerei. Wahrscheinlich hat das CSSN die Profile vorsorglich erstellt, damit hinter den erfundenen Accounts nicht irgendwann reale Personen stehen.

Nicht nachdenken, einfach zurückmobben…?

Die Kinder, die die Tweets vorgelesen haben, sind also in dem Fall keine Opfer von Cybermobbing geworden. Einige User haben jedoch nicht gemerkt, dass die Tweets fingiert wurden. Während einige versuchten, über Komplimente mit „veebee_girl“ und „TheRealMatty_C“ Kontakt aufzunehmen, gerieten andere in Rage über deren angebliche Tweets.

Dass sie sich mit solchen Angriffen auf eine Stufe mit den (angeblichen) Cyberbullys stellen, haben die Nutzer wohl nicht gemerkt. Sie wünschen ihnen den Tod und bezeichnen sie als „widerlich“, was nicht weit entfernt ist von den Tweets aus dem Video. Einige Nutzer verwechselten den Musiker Matty C. mit dem gefaketen „TheRealMatty_C“.; immerhin hat diese Userin ihn nach dem Video gefragt, anstatt loszupöbeln:

„DJayHawkins“ bringt es auf den Punkt:

Für Stars witzig, für Kinder die Hölle

Was bei Jimmy Kimmel als witziges Format funktioniert, ist für viele Nicht-Promis bittere Realität. Gutgemeinte Ratschläge wie „Mach doch einfach den Computer aus“ funktionieren da nicht: Nur weil eine Aussage nicht mehr sichtbar auf dem Bildschirm steht, ist sie nicht aus dem Gedächtnis verschwunden. Außerdem kann sich Cybermobbing rasend schnell verbreiten, wenn zum Beispiel Videos mit Hasstiraden auf YouTube landen. Cybermobbing beschränkt sich auch nicht auf den kurzen Zeitraum, in dem eine Beleidigung ausgesprochen wird. Konflikte, die im realen Leben schon belastend sind, brechen damit auch in den privaten Schutzraum ein.

Stars können neben vielen gemeinen und bösartigen Tweets unzählige Fankommentare lesen, in denen sie geliebt und gelobt werden. Nicht-Promis und vor allem Kinder haben diesen Ausgleich nicht. Darauf will das Video von Canadian Safe School aufmerksam machen. Die ausgewählten Tweets aus dem Video sind nicht aus der Luft gegriffen und könnten genau so real auf der Startseite eines Twitter-Nutzers erscheinen.

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