#TakeDownJulienBlanc – Ein Hashtag gegen Gewaltverherrlichung

Julien Blanc lehrt Männer das Aufreißen und Frauen das Fürchten. In teuren Kursen bringt er Männern bei, wie man Frauen ins Bett kriegt – mit Manipulation und, wenn nötig, auch mit Gewalt. Weltweit formiert sich Protest gegen den selbsternannten „Pick-Up-Artist“.

Hat man auf der Internetseite von Real Social Dynamics (kurz: RSD) das E-Mail-Formular für den Newsletter des Unternehmens erst einmal weggeklickt, zeigt RSD, worum es in ihren Programmen geht: „How to attract Women“. Dabei scheint es bei RSD weniger um Anziehungskraft als um Ausziehen, Reinstecken und Wieder-Anziehen zu gehen: Laut Medienberichten, wütenden Protesten und Erfahrungsberichten lehrt RSD vor allem, wie man eine Frau nach der anderen flachlegen könne.

Begierde, Manipulation, Menschenverachtung

Julien Blanc ist momentan das bekannteste Gesicht von RSD. Für seine Seminare geben Männer mehrere tausend Dollar aus. Dort lernen sie von dem selbsternannten „Pick-Up-Artist“, wie man Frauen auf verschiedene Arten belästigen kann. Sie lernen, dass es okay ist, sich selbst höher zu stellen als das Objekt der Begierde. Ich könnte auch „Beute“ statt „Objekt der Begierde“ schreiben, doch das würde das Frauenbild, welches die Seminare wohl anpreisen, nicht genügend umschreiben. Die Begierde ist es, die für die „Pick-Up-Artists“ und ihre Jünger anscheinend alles andere rechtfertigt.

Julien Blanc ist dabei nicht nur sexistisch (in beide Richtungen, wohlgemerkt), sondern auch noch rassistisch. Verschiedene Medien berichten über seine Aussagen, japanische Frauen seien für jeden weißen Mann besonders einfache Beute. Man müsse einfach nur „Pikachu“ rufen, ihre Gesichter an seinen Unterleib drücken und dann würde das Ganze schon zugunsten des „Aufreißers“ ausgehen. Buzzfeed hat in einem Artikel ein Vine-Video veröffentlicht, das die Reaktionen auf derartige „Lehren“ ebenso zeigt wie Blancs verharmlosende Präsentationsweise:

Solche Aussagen kommen vielleicht beim Saalpublikum gut an, auf Twitter werden sie unter dem Hashtag #TakeDownJulienBlanc zum Protestmittel:

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Bereits mehrfach in sozialen Netzwerken aufgefallen

Tweet von Julien Blanc ( Quelle )

Solche und ähnliche frauenverachtende Aussagen fänden sich zuhauf auf Blancs Twitter-Profil, sagt und zeigt Tumblr-Userin „tindersfinestbachelors„. Die Screenshots, die sie gemacht hat, sind nicht mehr für alle Nutzer nachzuverfolgen, denn Julien Blanc hat seine über 2.200 Tweets vor allgemeinen Zugriffen geschützt.

„Tindersfinestbachelors“ hat auf ihrem Blog einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie ihre persönliche Geschichte mit Blanc erzählt. Er habe sie über die Flirt-App „Tinder“ angeschrieben und später gefragt, ob sie Sex mit ihm haben wolle. Als sie ablehnte, habe er sie beschimpfte. (Den gesamten Chat-Verlauf hat die Nutzerin HIER veröffentlicht.) Weiterhin berichtet „Tindersfinestbachelors“ über andere Tinder-Nutzerinnen, die Julien Blanc angeschrieben habe und mit verschiedenen Tricks ins Bett locken wollte. So habe er unter anderem behauptet, seine Schwester sei vergewaltigt worden; ein anderes Mal sei er auf der Beerdigung seines Vaters gewesen. Mit diesen Geschichten habe Blanc die Nutzerinnen von seinen ehrlichen Absichten überzeugen wollen.

Wenn Frauen nicht mehr als Menschen angesehen werden

Vor ein paar Monaten machte ein Fall Schlagzeilen, in dem ein junger Mann eine Bekannte umgebracht haben soll, weil sie nicht mit ihm zum Abschlussball gehen wollte. Wäre der Mann in einen der RSD-Kurse gegangen, hätte er wohl gelernt, sie hinter sich zu lassen und sich einfach alle Frauen zu nehmen, die er wollte – ob diese wollen oder nicht. Wenn das Vorhaben nicht klappt, käme eben Gewalt zum Einsatz, „die wollen das doch so“, vermittelt Julien Blanc. Er bringt Menschen bei, dass es in Ordnung sei, Entscheidungen zu ignorieren, Grenzen zu übertreten und Frauen als Eroberungen zu sehen, die gefügig sein sollen. Sie sollen sich doch bitte darüber freuen, dass man ihnen Aufmerksamkeit entgegen bringt und sie will. Was bedeutet da schon die eigene Meinung oder gar das eigene Leben?

Julien Blanc ist mit seinem Coaching und Videos, in denen er mit einer Vergewaltigung prahlt, zum Synonym für die Angebote von RSD geworden. Da es jedoch noch weitere „Pick-Up-Artists“ gibt, wird auch #takedownrsd getweetet. Die ganze Aktion an einer Person festzumachen, ist in diesem Fall sowohl hilfreich als auch legitim, doch sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass hinter den Seminaren und Blancs Karriere ein ganzes System steckt, das nicht am Verlust eines Mitarbeiters scheitern wird.

Proteste gegen Seminare in Deutschland

Traurig, dass überhaupt darüber diskutiert werden muss, derart menschenfeindlichen Seminaren keinen Platz zu geben. In Berlin wurde demonstriert, gegen die Veranstaltung in München formiert sich bereits Protest, und auch Hamburg und Frankfurt stehen als Veranstaltungsorte zur Debatte. In Frankfurt könnte voraussichtlich Anfang März 2015 ein RSD-Seminar stattfinden. Die GRÜNEN Hessen haben ihre Position dazu bereits veröffentlicht:

„Wir begrüßen und unterstützen die breiten Proteste in den Sozialen Netzwerken und direkt an den Seminarorten. Wir fordern die Männer auf, solchen unsäglichen Seminaren eine Abfuhr zu erteilen. Das angekündigte Seminar in Frankfurt werden wir nicht dulden. Es ist gut, dass die Frankfurter GRÜNEN hier bereits aktiv sind. Wir fordern Hotels und Gaststätten auf, solche Seminare nicht stattfinden zu lassen.“

Auf Twitter sind unter dem Hashtag #TakeDownJulienBlanc viele Einträge zu lesen, die Medienberichte zum Thema verlinken oder selbst Stellung nehmen:

Australien und Brasilien haben Julien Blanc bereits das Visum entzogen. Es bleibt zu hoffen, dass die Veranstalter in Deutschland (und auf der ganzen Welt) ihre Gäste nun noch einmal genau unter die Lupe nehmen und ihnen absagen. Damit würden sie eine starke Haltung einnehmen: Gegen menschenverachtende Ansichten, gegen das kommerzielle Ausnutzen von Verzweiflung und vor allem gegen Institutionen, die vermitteln, dass Gewalt zum Umgang mit Frauen dazugehört.

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